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Freitag, 30. Juli 2010

Den Besucher ernst nehmen

Mit diesem Blog-Eintrag will ich die Artikelserie zum Zoo Leipzig vorerst beenden. Aber irgendwas muss mich ja getrieben haben, soviel zu schreiben. Warum hat mir der Zoo auf Anhieb gefallen? Warum fühlte ich mich willkommen?

kommentierte Fütterung der Brillenpinguine
Ich glaube ein entscheidender Faktor ist, dass ich mich immer gut informiert fühlte. Die Webseite des Zoos, die ich im Vorfeld des Besuches besuchte, ist übersichtlich und sehr informativ. Sie ist Teil einer aus meiner Sicht gelungenen Öffentlichkeitsarbeit, zu der auch die Fernsehsendung Elefant, Tiger & Co. zählt. Das eigentliche Wohlfühlen kam aber dann im Zoo. Denn auch hier fühlte ich mich gut informiert. Freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter an den Kassen, die meine Fragen beantworteten, ein kostenloser Lageplan zur Orientierung und noch ein Exemplar für die Kinder ... wer schon mal mit der Familie im Zoo unterwegs war, weiß ein Lied davon zu singen, ob ein Plan ausreicht ...  - ich empfand das als großzügige Serviceleistung.

Tierpfleger Marco Mehner
und Giraffanenkalb
bei der Zufütterung mit Milch
Und dieses gute Gefühl nahm ich mit auf meinen Zoospaziergang. Ich hatte den Eindruck, dass alle Mitarbeiter für Fragen offen sind. Viele Fütterungen finden öffentlich zu festen Terminen statt, die im Lageplan-Flyer und an den Gehegen angegeben sind. Diese Fütterungen werden fachlich kommentiert. Der Besucher wird also nicht nur unterhalten sondern vor allem informiert, immerhin ist genau dieses, den Besucher zu informieren, eine der Hauptaufgaben eines Zoos. Und das wird hier sehr gut umgesetzt. Wer nach der Fütterung weitere Fragen hat, dem stehen die Tierpfleger Rede und Antwort.

Vermutlich sind nicht alle Besucher regelmäßige Elefant, Tiger & Co.-Gucker, aber die Fernsehfiguren - seien es Tierpfleger oder Tiere - live zu sehen, machte, wie ich aus Gesprächsfetzen anderer Besucher erahnen konnte, einen gewissen Reiz des Zoobesuches aus. Ich teile dieses Gefühl von Anteilnahme und Zugehörigkeit. Die Vorteile der Sendung gegenüber ähnlichen Formaten sind unbestreitbar die regelmäßige Ausstrahlung und die geringe Vorlaufzeit zwischen den realen Geschehnissen im Zoo und der Erstausstrahlung der Sendung.

Im Zoo selber findet man überall Hinweise auf das Konzept Zoo der Zukunft und geplante Umbaumaßnahmen, so wird beispielsweise an der Bärenburg mit Hinweistafeln auf die Bedeutung der Anlage für die damalige Zootierhaltung hingewiesen und der geplante Umbau zum Abenteuerspielplatz vorgestellt.

Die Beschilderungen an den Gehegen wurden zum Teil durch zusätzliche Informationen ergänzt. Ich habe solche Hinweise unter anderem bei den Hyänen und bei den Brillenbären in der Bärenburg gesehen:
„Liebe Besucher,
da es bei Hyänenjungtieren schon wenige Minuten nach der Geburt zu aggressiven Rangordnungskämpfen kommen kann, ist es möglich, dass unsere Jungtiere teilweise Bissverletzungen aufweisen.“
Als ich das las, dachte ich: „Ja, klar. Logisch“ Ich hätte mir das sicher auch zusammengereimt, aber ich fand es sinnvoll, diese Informationen zu haben, auch wenn ich an den Jungtieren keine Bissspuren sehen konnte.

Über den Gesundheitszustand dieser
Brillenbärin informiert eine eigene Tafel.
Bei den Brillenbären hätten mir meine Vermutungen zwar auch den richtigen Weg gewiesen, aber Vermutungen können zu gefährlichem Halbwissen werden.

Ein Schild informierte mich dann, dass das Aussehen zweier Brillenbärinnen auf eine nicht näher bestimmbare Krankheit zurückzuführen sei, es den Tieren aber, wie ich es ausdrücken würde, den Umständen entsprechend sehr gut ginge. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Krankheit beobachtet und wissenschaftlich untersucht wird, und auch das verstand ich, denn eine der Aufgaben eines Zoos ist die Forschung.

Ich fühlte mich durch dieses Mehr an Informationen als Besucher ernst genommen. Ich gehe in den Zoo, um mehr über die Tiere zu erfahren und mindestens diese zwei Dinge habe ich am Dienstag in Leipzig gelernt.

Zwei weitere positive Punkte, sind mir aufgefallen: Erstens wurde ich nicht genötigt, für die Toilettenbenutzung zu bezahlen, eine Spendenbox stand zwar da, aber es war mir freigestellt, wie viel und wie oft ich einwarf. Stundenlange Zoobesuche mit der ganzen Familie bringen einige Toilettenbesuche mit sich und dann jedes Mal zur Kasse gebeten zu werden, finde ich in Anbetracht der hohen Kosten für einen solchen Familienausflug immer sehr zweifelhaft. Zweitens fand ich das Angebot des Zooshops sehr ansprechend und die dortigen Mitarbeiter in Anbetracht des zeitweiligen Ansturms sehr professionell.

Mein Fazit des Familienausfluges: Ich fühlte mich wohl im Leipziger Zoo und meiner Familie ging es ähnlich. Wir kommen sicher wieder.

Elefant, Tiger & Co. (30.7.2010): Schlimme Schmerzen

Der frühe Freitagabend ist die einzige Zeit, in der sich unsere Familie regelmäßig vor dem Fernseher trifft. Wir schauen wenig fern, aber Elefant, Tiger & Co. ist bei uns zu einem festen Ritual geworden, dabei haben wir das früher nur sporadisch geschaut. Erst seit knapp einem Jahr schauen wir die Sendung, die von den Tieren des Leipziger Zoos und ihren Pflegern erzählt, regelmäßig.

Da das gesammelte Filmmaterial relativ zeitnah (innerhalb 1-2 Wochen) gesendet wird, waren wir nach unserem Ausflug in den Zoo am letzten Dienstag besonders gespannt, was denn im Zoo in den vergangenen Tagen aktuell war. Der Reiz der Sendung besteht für uns ja darin, Informationen zu erhalten, über die man als Zoobesucher normalerweise nicht verfügt.

Heute haben wir gesehen, dass der 17 Monate alte Lippenbär Bastel schwer verletzt war und dass eine Behandlung aufgrund des komplizierten Bruches nicht möglich war. Der Bär musste eingeschläfert werden. Am Dienstag war er schon nicht mehr im Zoo.

Über solche Vorkommnisse, die in jedem Zoo passieren, erfährt man normalerweise nichts, der Interessierte entdeckt allenfalls eine kleine Notiz im Jahresbericht, insofern dieser überhaupt öffentlich zugänglich ist.

Ich halte es für eine Stärke der Sendung, dass mich das Schicksal eines Zootieres so sehr interessiert, dass ich jetzt etwas traurig bin. Sicher gibt es Wichtigeres im Leben und viel größere Probleme auf der Welt, aber manchmal tut es mir ganz, gut das Tempo etwas raus und Anteil an etwas Kleinem zu nehmen und sei es nur ein kleiner Bär, der so doof gestürzt ist, dass sein Leben beendet war.

weitere Informationen:
- Sonderseite der Fernsehsendung Elefant, Tiger & Co.
zu Bastel mit einem Interview des Cheftieraztes Dr. Bernhard

- Zoo Leipzig